Wir möchten Ihnen heute die wichtige Funktion der örtlichen oder regionalen gemeinnützigen Wohnungsbauunternehmen näher bringen. Sie kennen sicher die WBG Nürnberg, das Siedlungswerk Nürnberg SW, die Joseph-Stiftung aus Bamberg und das Evangelische Siedlungswerk ESW. Wir wollen hier nicht die gesamten Organigramme dieser Firmen aufschlüsseln, aber darauf hinweisen, dass diese Unternehmen in zwei Hauptbereichen tätig sind. Dies sind einerseits der Bau, der Erhalt und die Vermietung von Wohnungen. Aber diese Gesellschaften sind auch Bauträger, die Reihen- und Doppelhäuser sowie Eigentumswohnungen erstellen und verkaufen. Viele Bürgerinnen und Bürger nehmen diese beiden Funktionen vor allem bei der WBG nicht war, deshalb weisen wir hier darauf hin. Warum heben wir diese Unternehmen heraus, werden Sie fragen? Uns ist aufgefallen, dass man verschiedene Eigenschaften, die diese Unternehmen auszeichnen, nicht beachtet oder nicht weiß:

Im Gegensatz zu Versicherungen, die ihre Wohnungen nach der Abschreibungsfrist verkaufen, werden hier die Wohnungen im Bestand gehalten, gepflegt und saniert. So sind bei den gemeinnützigen Wohnbauunternehmen Wohngebäude vorzufinden, die Jahrzehnte alt sind, aber weil sie saniert werden, immer noch in gutem Zustand dastehen und einen fairen Mietpreis haben.

Bei Aktiengesellschaften im Wohnungsbau werden die Gewinne zum Teil für Rücklagen verwendet, aber ein großer Teil wird an Aktionäre ausgeschüttet, das können Privatanleger, Fonds etc. sein. Das Geld geht oft aus der Stadt oder Region weg, bei den gemeinnützigen bleibt es hier. Die Gewinne werden in Sanierung und Neubauten gesteckt. Oder kommt, wie bei der WBG, über eine Stiftung vielen ehrenamtlichen Aktivitäten in der Stadt Nürnberg zu Gute.

Deshalb fanden wir die Kritik an Maßnahmen dieser Unternehmen in der Nürnberger Presse als nicht gerechtfertigt. Denn zuerst müssen diese, auch wenn sie zum Teil der Stadt Nürnberg, dem Freistaat Bayern oder den Kirchen gehören, Geld verdienen, um als Wirtschaftsunternehmen bestehen zu können. „Sie müssen sich nach der Decke strecken“. Wenn man aber die Mieten vergleicht, dann kann man erkennen, dass hier die Mieten im Durchschnitt günstiger sind als bei anderen Anbietern. Dies liegt an der nachhaltigen Wirtschaftsweise und am Bestand von tausenden von Wohnungen aus verschiedenen Jahrzehnten. Deshalb ist es auch normal, dass die WBG in der Schillingstraße Gebäude abreißt, um mehr Wohnraum zu schaffen, der zwar eine höhere Miete kostet, aber auf dem gleichen Grundstück mehr Menschen eine bezahlbare Bleibe bietet. Würde man die Gebäude an dieser Stelle sanieren, wären die Kosten so hoch, dass es sofort heißen würde, hier finden „Luxussanierungen“ statt, weil nach einer unrentablen Sanierung der Quadratmeterpreis nicht mehr drei Euro, sondern zwischen sieben und zehn Euro betragen würde.

Die Wohnbaugesellschaften betreiben auch Vorratshaltung. So hat das Siedlungswerk Nürnberg im Bereich der Marconistraße vor Jahren auf Flächen, die sie nicht für Wohnbau benötigte, Kleingärten verpachtet. Aber diese Flächen braucht sie jetzt zum Bau neuer Mietwohnungen. Es wird eng in der Stadt. Flächen sind nicht beliebig vermehrbar und sie werden immer teurer. Deshalb muss das Unternehmen auf eigene Ressourcen zurückgreifen, bevor es hochpreisige neue Grundstücke kauft. Bei beiden genannten Projekten sehen wir den Gemeinnutz im Vordergrund, auch eine Eigenschaft, die den Namen dieser Unternehmen untermauert.

Das wichtigste für uns als Bürgerverein ist die Offenheit, die uns bei Anfragen an die Gesellschaften entgegenkommt. Man bekommt umfassende Auskünfte, die Vorgänge werden transparent dargestellt. Dies gilt beim Bau von Mietwohnungen ebenso wie bei Reihenhäusern und Eigentumswohnungen. So konnten wir beim ESW im Tillypark und in der Anwandener Straße, bei der WBG sowie der Joseph-Stiftung im ATV-Gelände und bei der Sanierung der Parkwohnanlage West (Känguru-Siedlung) immer Auskünfte erhalten und wurden frühzeitig über die Maßnahmen informiert. Den Mietern in der Parkwohnanlage wurden Angebote unterbreitet, wie sie im Viertel bleiben können, es wurde Hilfen beim Umzug angeboten. Allerdings müssen Wohnungen, durch Einbau von behindertengerechten Aufzügen in die Häuser verkleinert werden. Auch die Kulanz in Sache Kündigungsfrist, bei der Auflassung der Kleingärten in der Marconistraße, durch das Siedlungswerk Nürnberg ist uns in guter Erinnerung.

Mit Sorge haben wir den Vorstoß der Stadtverwaltung Nürnberg beobachtet, dass sie die gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaften verpflichten möchte, die Mietpreise nach Sanierung möglichst billig zu halten. Dieser Vorstoß erinnert sehr an die Wohnungswirtschaft der ehemaligen DDR. Hier hat zwar der Staat die Mieten billig gehalten, ist aber am Ende gerade deswegen bankrottgegangen, weil man nicht mal die laufenden Kosten für die Wohnbauten erwirtschaftete. Auch was die deutschen Gewerkschaften mit ihrer Wohnungsbaugesellschaft „Neue Heimat“ vollführten, sei hier als warnendes Beispiel genannt. Wir bemerken in manchen Amtsstuben, dass man das Gesetz bis zum letzten Punkt und Komma auslegt, was enorme Kostensteigerungen bei Neubauten zu Folge hat. Wir sehen mit Sorge, dass hier Kosten generiert werden, die in schwindelerregende Höhen gehen und die Erstellung von günstigem Wohnraum für Familien mit Kindern sehr erschweren. Hier sind Stadtverwaltung und –politik aufgerufen, einmal inne zu halten und nachzudenken. Wenn die Gestehungskosten z. B. für ein Reihenhaus (Grundstück und Gebäude) bei 480.000,-- Euro liegen, kann dies nicht für Euro 350.000,-- verkauft werden. Auch gemeinnützige Unternehmen unterliegen einer kaufmännischen Rechnungslegung.

Sie erkennen, es wird in den nächsten Jahren nicht leichter. Die Nachverdichtung wird nicht nur auf bestehende Häuser zugreifen, das Baurecht erlaubt einiges an Eingriffen in bestehende Siedlungs- und Geschoßwohnungsbauten. Deshalb entstehen keine Hochhäuser (in Deutschland definieren die Landesbauordnungen ein Gebäude überwiegend dann als Hochhaus, wenn der Fußboden mindestens eines Aufenthaltsraumes mehr als 22 Meter über der Geländeoberfläche liegt, da Feuerwehrdrehleitern nur eine Nennrettungshöhe von 23 Meter erfüllen können -Wikipedia-) oder gar „Monsterbauten“.

Wir verstehen, dass es nicht gerade angenehm ist, wenn man in einem Siedlungshaus wohnt und das Nachbarhaus wird verkauft und abgerissen, um auf diesem Grundstück ein Mehrfamilienhaus zu bauen. Aber es ist zulässig. Es ist auch nicht sehr schön, wenn die Wohnung, in der man Jahrzehnte gelebt hat, saniert wird und man im hohen Alter nochmals umziehen muss. Hier sehen wir unsere Aufgabe als Bürgerverein, im Gespräch mit den Beteiligten Härten zu mildern und für alle eine gute Lösungen zu finden.