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Paracelsusstraße

In der letzten Ausgabe ergründeten wir die Namensgebung der Ipsheimer Straße, welche auf die gleichnamige fränkische Ortschaft zurückzuführen ist. Diesmal soll wieder eine Person im Fokus stehen: Philippus Theophrastus Aureolus Bombast von Hohenheim, besser bekannt als „Paracelsus“, war Arzt und Naturforscher und wird auch heutzutage noch als einer der bedeutendsten Mediziner des deutschen Sprachraums angesehen.

Theophrastus Bombastus von Hohenheim genannt Paracelsus

Theophrastus Bombastus von Hohenheim 1493 - 1541 ©Foto:Wikipedia   

Das genaue Geburtsdatum des Philippus Theophrastus ist bis heute unklar, denn Uneinigkeit herrscht darüber, ob es der 10. November 1493 oder 1494 war, in Einsiedeln in der Schweiz das Licht der Welt erblickte. Dafür besteht ein breiter Konsens über seine Errungenschaften auf dem Gebiet der Medizin, der er sich Zeit seines Lebens neben der Philosophie, der Astrologie oder der Theologie widmete. Der Name Paracelsus ist in die Zeit zurückzuführen, als Philippus Theophrastus bereits Doktor der Medizin war und als Arzt durch Europa reiste. So ist „Paracelus“ vermutlich eine auf eine Ableitung des Wortes „Hohenheim“ aus dem Lateinischen zurückzuführen (lat. celsus = hochragend).

Paracelsus wurde als Sohn des aus Schwaben stammenden Arztes, Naturforschers und Alchemisten Wilhelm Bombast von Hohenheim geboren. Nach dem frühen Tod seiner Mutter zog Paracelsus 1502 mit seinem Vater Wilhelm nach Villach in Kärnten. Dort leitete sein Vater eine stadt- und werksärztliche Praxis, wo Paracelsus erste Einblicke in die Medizin erhielt: So heißt es, es wäre eine seiner größten Freuden gewesen, seinen Vater bei der Behandlung von Patienten begleiten zu dürfen. Zugleich besuchte er die höhere Schule und wurde anschließend Lehrling bei einem berühmten Alchimisten. Hier lernte er alles über das Wesen und die Eigenschaften der Metalle, Salze und Gesteine.
1510 schloss Paracelsus in Wien sein Medizinstudium mit dem Grad eines Bakkalaureus ab. Seine Doktorwürde erlangte er um das Jahr 1516 in Ferrara, einer oberitalienischen Stadt in der Region Emilia-Romagna. Getrieben durch Wissensdurst und Abenteuerlust verschlug es ihn schließlich mehrere Jahre auf Reisen. So durchquerte er ganz Europa und behandelte dabei auf seiner Reise kranke Menschen, ohne dabei einen Unterschied zwischen Arm und Reich zu machen. In den Jahren 1527 bis 1528 war Paracelsus Arzt in Basel und lehrte zugleich an der medizinischen Fakultät. Dies verdankte er der Fürsprache eines einflussreichen Patienten, dessen Bein er vor der Amputation bewahren konnte. Seine Vorlesungen hielt er – entgegen damaligen Gepflogenheiten – in deutscher Sprache, statt in Latein. Dies war jedoch nur eine harmlose Form seines oftmals unkonventionellen, ja gar „widerspenstigen“ Handelns und seiner hin und wieder provozierenden Auftritte. Denn Paracelsus gilt durchaus als eine Art ‚„Revolutionär“, ein Querdenker, der in diesen Jahren nicht nur von der Ärzteschaft als unbequemer Zeitgenosse angesehen wurde. Zum einen erwarb Paracelsus sich mit seinen außergewöhnlichen Heilerfolgen im Laufe der Jahre den Ruf eines Wunderdoktors, was zu zahlreichen Neidern führte. So bezichtigten ihn viele damalige Kollegen der Quacksalberei und straften ihn mit Verachtung. Zum anderen tat er selbst auch nicht gerade viel, um Meinungsverschiedenheiten friedlich beizulegen oder Streit aus dem Wege zu gehen, vielmehr noch: Er prangerte die vorherrschenden Meinungen und Thesen öffentlich als Irrlehren an. Seine Kollegen nannte er polemisch „Kurpfuscher“, „Ölgötzen“ oder „Leutebescheißer“, die nur Geld im Kopf hätten. Vielen Medizinern warf er sogar vor, fahrlässig Menschenleben aufs Spiel zu setzen und sie gar schneller zum Tode zu führen, anstatt sie zu heilen. Auch schreckte Paracelsus vor Tätlichkeiten nicht zurück. Beispielsweise drang er in Apotheken ein und warf die Töpfe und Tiegel mit „Drecksmedizin“ hinaus auf die Gasse. Denn Apotheker waren für Paracelsus Helfershelfer der Ärzte und Hersteller von „Drecksmedizin“.

Insgesamt lag Paracelsus mit seiner teilweise etwas groben Kritik jedoch richtig, betrachtet man die damaligen Überzeugungen und Methoden, die aus heutiger Sicht völlig abstrus erscheinen. Denn die Medizin befand sich zurzeit von Paracelsus tatsächlich an einem Tiefpunkt - Unwissen, und Geldgier und Menschenverachtung prägten das Bild der Heilberufe. In dieser Epoche, in der überall in Europa Hexenprozesse stattfanden und Scheiterhaufen loderten, ging der Mediziner sogar noch weiter und wetterte nicht nur gegen den pervertierten Zeitgeist, sondern auch gegen die Obrigkeit, die für das damalige Weltbild einstand. Damit zog er sich auch den Zorn der mächtigen Beamtenschaft und des Adels auf sich, so z.B. in Salzburg, einer seiner Stationen, wo er sich noch vor seiner Tätigkeit in Basel niederließ. Dort machte Paracelsus sich durch seine Unterstützung der Aufständischen im Bauernkrieg beim Salzburger Erzbischof Matthäus Lang von Wellenburg unbeliebt und musste die Stadt nach kurzer Zeit wieder verlassen. Darüber hinaus begleiteten ihn Schmähschriften bis hin zu offen vorgebrachten Bedrohungen gegen Leib und Leben Zeit seines Lebens. Nach erneuten Wanderjahren stellte Paracelsus 1529 schließlich die Bücher Paramirum und Paragranum sowie eine Reihe weiterer kleinerer Schriften fertig, die jedoch nicht veröffentlicht wurden. Als sein Hauptwerk gilt das 1537 vollendete Schriftwerk Astronomia Magna (auch bekannt als Philosophia Sagax). 1541 zog Paracelsus nach Salzburg, wo er noch im gleichen Jahr am 24. September im Alter von nur 48 Jahren starb, relativ einsam, ohne Freunde und Vermögen zu hinterlassen.
Seine Einstellung zur Heilkunde und seine Methode spiegeln sich auch heutzutage in der Medizin wieder. Paracelsus erkannte schon damals das Vorhandensein biologisch-chemischer und physikalischer Vorgänge und zog daraus den Schluss, dass auch Krankheiten ihre Ursache im Wirken chemischer Substanzen haben mussten. Paracelsus bezog außerdem Umwelt und Psyche in seine Diagnosen mit ein und betrachtete Krankheiten damit aus ganzheitlicher Perspektive. Stets suchte Paracelsus den direkten Kontakt zu Kranken. Eine seiner obersten Maximen war es, die Ursache des Leidens zu erkennen und nicht nur die Symptome der Erkrankung zu behandeln. Paracelsus‘ wohl bekannteste These, die auch heute noch volle Gültigkeit besitzt, lautet: „Die Menge macht das Gift (Dosis facit venenum).“

Über Paracelsus frühen Tod wurde viel spekuliert. Von Tod durch Vergiften war die Rede, auch hieß es, man habe ihn einen Felsen hinabgestürzt oder er sei in Folge seines Alkoholkonsums an Leberkrebs gestorben. Neuesten Untersuchungen zufolge könnte Paracelsus jedoch einer Quecksilbervergiftung erlegen sein. Paracelsus wurde auf dem Sebastiansfriedhof in Salzburg beigesetzt und 1752 in die Kirche St. Sebastian umgebettet.
Erst weit nach seinem Tod verstand man den Weitblick und die Genialität des Mannes, der fast sein ganzes Leben lang von seiner Umwelt gehasst, verachtet, verleumdet und verspottet wurde. Im Jahre 1952 stiftete das Präsidium des Deutschen Ärztetages die Paracelsus-Medaille als höchste Auszeichnung der deutschen Ärzteschaft für verdiente Ärzte. Darüber hinaus sind zahlreiche Kliniken nach Paracelsus benannt. 2002 wurde die Private Medizinische Universität Salzburg in „Paracelsus Medizinische Privatuniversität Salzburg“ umbenannt. Auf Initiative dieser Universität fand 1989 auch die erste Paracelus-Messe in Salzburg statt. Seit 1991 wird unter diesem Namen die größte deutsche Gesundheitsmesse in Wiesbaden organisiert.

In diesem Sinne hält auch die Paracelsusstraße, die über die Lehrberger Straße in Nürnberg zu erreichen ist, die Erinnerungen an einen großen Denker, bedeutenden Humanisten und hervorragenden Mediziner am Leben.

Terminvorschau

Jahreshauptversammlung      

Mittwoch, 25. Juli 2018, 19:00 Uhr

 

Sportheim SG Nürnberg/Fürth

Regelsbacher Straße 56, 90431 Nürnberg

 

     
 

Tagesordnung 

1. Begrüßung

2. Bericht des 1. Vorsitzenden und Erklärung

3. Bericht des Kassenverwalters

4. Bericht der Kassenrevision

5. Aussprache zu Top 2 bis 4

6. Entlastung des Vorstandes und des Kassenverwalters

7. Wahl eines Wahlvorstandes

8. Beschlussfassung über das Budget 2018

9. Beschlussfassung über Anträge

10. Verschiedenes

 

Anträge zur Jahreshauptversammlung können bis zum 22.07.2018 beim Vorstand eingereicht werden.

Nächsten Sitzungstermine

Mi Jun 27 @19:30 - 09:00PM
Arbeitsgruppe Medien
Mo Jul 09 @20:00 - 10:00PM
Vorstandssitzung

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