Samstag, 23 Juni 2018

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Dunantstraße

In der Ausgabe 02-2010 unserer Westinfo hatten wir es mit einem Machtmenschen zu tun, König Gustav-Adolf von Schweden, der auch für viel Leid und Elend in seiner Zeit sorgte.
Deshalb wählten wir dieses Mal einen Menschenfreund aus.
Henri Dunant, den Gründer des Roten Kreuzes, der vor 100 Jahren am 30. Oktober 1910 starb.
Geboren wurde Jean-HenryDunant am 08. Mai 1828 in Genf. Die Dunants waren eine sehr wohlhabende und sehr fromme calvinistische Kaufmannsfamilie. Seine Eltern hatten in der Stadt großen Einfluss und engagierten sich sowohl politisch als auch sozial. Die Mutter Antoinette Dunant-Colladon war im wohltätigen Bereich vor allem für Arme und Kranke tätig. Der Vater war Mitglied des Conseil Représentatif, der damaligen Legislative der Stadt Genf und teilte, wie alle Genfer von Rang und Ansehen, seine Lebensarbeit zwischen Geschäft und Wohltätigkeit. Dies äußerte sich dadurch, dass er einen Teil seiner Einkünfte für die Bedürftigen spendete, die staatlichen Armengelder verwaltete und die Waisenkinder der Stadt betreute. Prägend für Henry Dunant war allerdings seine Mutter, die ihm zeitlebens ein Vorbild war, vor allem weil der Vater aufgrund seiner geschäftlichen Tätigkeit oft von der Familie getrennt war.
Das erste negative Ereignis im Leben Dunants war der Verweis von der Schule, dem Collège Calvin, nachdem er zweimal wegen schlechter schulischer Leistungen sitzen geblieben war. Die einzige Möglichkeit, einen standesgemäßen Beruf zu ergreifen, war eine Banklehre, die er erfolgreich absolvierte. Bereits in jungen Jahren konnte Henry Dunant andere Menschen für ein gemeinsames Ziel begeistern und motivieren. So war er einer der Mitbegründer des Christlichen Vereins Junger Männer in der Schweiz. Bei der Gründung des „Weltbundes der christlichen Vereine junger Männer“ in Paris, - er wirkte bei der Ausarbeitung der Satzung maßgeblich mit -, war er zum ersten Mal international tätig.
Eine entscheidende Wende in seinem Leben war der Wechsel von der Bank in ein Genfer Kolonial-Handelsunternehmen. Im Auftrag dieser Firma bereiste Dunant Algerien, Tunesien und Sizilien. Er handelte mit Getreide und Holz und hatte dabei großen Erfolg, obwohl er keine einschlägigen Erfahrungen auf diesem Gebiet hatte. Dieser wirtschaftliche Erfolg führte dazu, dass sich Dunant im Jahr 1858 entschloss, sich selbstständig zu machen. Zusammen mit dem deutschen Geschäftsmann Henri Nick wollte er in Algerien, damals Kolonie Frankreichs, im großen Stil Land erwerben, Getreide anbauen und es in eigenen Mühlen verarbeiten. Es fehlte jedoch ein kleines Detail zum Erfolg, die Unterstützung der französischen Kolonialverwaltung. Er hatte keine Zweifel am Erfolg seines Unternehmens, denn die Genfer Geschäftswelt und seine Verwandten und Freunde hatten keinerlei Bedenken, ihn zu unterstützen.
Im Jahr 1858 verfügte seine Mühlengesellschaft über ein Kapital von einer halben Million Schweizer Franken. Ein Jahr später war es ein ganze Million. Aber die benötigte Konzession hatte die Aktiengesellschaft noch immer nicht. Um diese zu erhalten, entschloss sich Dunant, den französischen Kaiser Napoleon III. direkt anzusprechen. Mit einer Lobschrift auf den Herrscher im Gepäck reiste er in die Lombardei.
Am 24. Juni 1859 geriet Dunant auf das Schlachtfeld von Solferino. Es war der Abend der Entscheidungsschlacht im italienischen Unabhängigkeitskrieg, zwischen den verbündeten Truppen Frankreichs und Sardiniens auf der einen Seite und Österreichs auf der anderen. Über 40.000 Tote und Verwundete lagen unversorgt und ohne Hilfe auf dem Schlachtfeld. Der Zivilist Dunant organisierte Karren und Wagen und sorgte dafür, dass die Verwundeten aller Nationen in die umliegenden Klöster, Kirchen und öffentliche Gebäude transportiert wurden, wo sie versorgt werden konnten. Der kleine Ort Castiglione wurde das Zentrum des freiwilligen Dienstes von vielen Helfern, hier entstand der Gedanke des Roten Kreuzes. Berühmt wurde die Losung der Frauen dieses Ortes „Tutti fratelli“ (Alle sind Brüder).
Danach hörte man über drei Jahre nichts von Dunant. Er hatte mit seinen Geschäften in Algerien zu tun. Aber die Bilder des Infernos, in das er unvorbereitet hinein geraten war, hatten ihn mit großer Wahrscheinlichkeit tief traumatisiert. In dem Buch „Eine Erinnerung an Solferino“ schrieb er sich das Erlebte von der Seele. Doch er entwickelte in diesem Buch darüber hinaus die Idee, wie zukünftig das Leid der Soldaten verringert werden könnte. In allen Ländern sollten Hilfsorganisationen entstehen, die sich auf der Basis von Neutralität und Freiwilligkeit um die Verwundeten einer Schlacht kümmern sollten. 1862 erschien das Buch in einer Auflage von 1600 Exemplaren. Es wurde an Freunde und Weggefährten, aber auch an einflussreiche Menschen im In- und Ausland versandt. Die Resonanz war überwältigend, es war eine uneingeschränkte Zustimmung zur Idee Dunants, Kriegsverwundeten zu helfen. Wichtiger als alle Glückwünsche und Briefe der Ermutigung war allerdings das Angebot des Advokaten Gustave Moynier. Dieser bot ihm über die „Genfer Gemeinnützige Gesellschaft“ die Gelegenheit, die Idee auch zu verwirklichen. Aus dieser Gesellschaft heraus entstand 1863 ein bevollmächtigter Ausschuss, das spätere „internationale Komitee vom Roten Kreuz“. Diese Gruppe bestand aus General Dufour als Präsident, Gustave Moynier, Henry Dunant als Schriftführer und den beiden Ärzten Louis Appia und Théodore Maunoir. Als Erkennungszeichen wurde die Schweizer Flagge farblich umgedreht. Für Henry Dunant aber war die Flagge mit dem Kreuz weniger religiöses Symbol, sondern er legte Wert auf die schweizerische Neutralität, die diese Flagge vor allem repräsentierte.
Dank Dunants unermüdlichen Einsatz gelang es bereits 1863 einen internationalen Kongress nach Genf einzuberufen. 1864 fand die historisch gewordene Genfer Konferenz statt, auf der 26 Delegierte 16 Staaten vertraten. Zwölf dieser Staaten unterzeichneten die Genfer „Konvention zur Verbesserung des Schicksals der verwundeten Soldaten im Felde“. Dieser Erfolg wurde allerdings überschattet von inneren Zerwürfnissen im Komitee und vor allem von persönlichen Differenzen zwischen den beiden Hauptakteuren Dunant und Moynier. Hier prallten die Vorstellungen des Idealisten Dunant auf die Meinung des Realisten. Hinzu kam, dass Dunant in finanzielle Schwierigkeiten geriet. Er verwendete viel Zeit für den Aufbau des Roten Kreuzes und kümmerte sich kaum mehr um seine Geschäfte. Dies führte zum Konkurs seiner Firma, der in einen betrügerischen Bankrott mündete, Dunant wurde dazu verurteilt, die von ihm getäuschten Aktionäre vollständig zu entschädigen. Es kam zu einer wirtschaftlichen und moralischen Vernichtung der Person Dunants. Er wurde aus dem Internationalen Komitee und dem CVJM ausgeschlossen. Viele Versuche sich erneut eine Existenz aufzubauen scheiterten. Verarmt und gedemütigt irrte er nun rund zwanzig Jahre durch Europa. Es war mehr ein Vegetieren als Leben. Erst mit 60 Jahren kam er zur Ruhe. Seine Familie gab ihm eine monatliche Rente von 100 Schweizer Franken, unter der Bedingung, sich in der Schweiz niederzulassen. Der verbitterte und inzwischen menschenscheu gewordene Dunant zog in den Appenzeller Kurort Heiden, hoch oberhalb des Bodensees. Hier verbrachte er die letzten 22 Jahre seines Lebens. Von der Welt vergessen, aber besessen von dem Gedanken, rehabilitiert zu werden. Dies gelang nur durch die Hilfe von guten Freunden und eines Journalisten, denn Moynier, das Komitee und seine Gläubiger taten vieles, um dies zu verhindern. 1895 war durch einen Artikel des Sankt Galler Journalisten Baumberger, der in vielen Zeitungen nachgedruckt wurde, der Name Dunants wieder in aller Munde. Ihm wurde von einer Schweizer Stiftung eine Rente und von der Zarenwitwe eine Ehrenpension zuerkannt. Er bekam von Monarchen, Kongressen etc. Orden und Ehrenurkunden. Bertha von Suttner, die Weltfriedenskämpferin, besuchte ihn. Der Höhepunkt dieser Ehrungen war die Verleihung des ersten Friedensnobelpreises im Jahr 1901, der ihm zusammen mit dem französischen Friedenskämpfer Frédéric Passy und in direkter Konkurrenz zu Gustave Moynier und dem Internationalen Komitee, verliehen wurde.
Heutzutage ist Henry Dunant vollkommen rehabilitiert. Das Komitee vom Roten Kreuz, der YMCA (CVJM) und andere Gruppen reklamieren ihn als Gründervater ihrer Organisation. Allerdings erscheint es vor dem Hintergrund der Geschichte, dass, wenn man die Organisationen als Kinder begreift, ihnen die jeweilige Mutter den Umgang mit diesem Vater lange Zeit verboten hat.
In der heutigen Zeit überstrahlt der Name Henry Dunants alle anderen Namen der Gründer des Roten Kreuzes. Diese Tatsache wird einem Gustave Moynier und den anderen Mitstreitern des Komitees nicht gerecht, denn es waren auch ihre Arbeit und Leistung, mit der sie diese Organisation aufgebaut hatten. Sie sehen, man benötigt beides um Erfolg zu haben, den Idealisten als Motor und Ideengeber, und die Realisten, die alles organisieren.

Warum die Straße und die anliegende Grundschule nur den Familiennamen und nicht auch den Vornamen tragen, die bei Henry Dunant immer zusammen genannt werden, ist sicherlich eine Nürnberger Eigenart, die heute niemand mehr erklären kann. Wir hoffen, dies bei Gelegenheit bereinigen zu können.

Terminvorschau

Jahreshauptversammlung      

Mittwoch, 25. Juli 2018, 19:00 Uhr

 

Sportheim SG Nürnberg/Fürth

Regelsbacher Straße 56, 90431 Nürnberg

 

     
 

Tagesordnung 

1. Begrüßung

2. Bericht des 1. Vorsitzenden und Erklärung

3. Bericht des Kassenverwalters

4. Bericht der Kassenrevision

5. Aussprache zu Top 2 bis 4

6. Entlastung des Vorstandes und des Kassenverwalters

7. Wahl eines Wahlvorstandes

8. Beschlussfassung über das Budget 2018

9. Beschlussfassung über Anträge

10. Verschiedenes

 

Anträge zur Jahreshauptversammlung können bis zum 22.07.2018 beim Vorstand eingereicht werden.

Nächsten Sitzungstermine

Mi Jun 27 @19:30 - 09:00PM
Arbeitsgruppe Medien
Mo Jul 09 @20:00 - 10:00PM
Vorstandssitzung

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